Namaste in Napoli. Zum Yoga Retreat an die Amalfi Küste.

Eine Woche Auszeit und Durchatmen in der kleinen süditalienischen Stadt Sorrento.

Liebes 2020! Was hatte ich nicht alles für uns geplant? Konzerte und Festivals, mein lang ersehntes Sabbatical, eine Reise quer durchs südliche Afrika… Aber wie so vielen anderen auch machte mir Corona einen dicken, fetten Strich durch die Rechnung. An all das war dieses Jahr natürlich nicht mehr zu denken. 

Ohne neue Pläne oder Vorhaben plätscherte das Jahr so vor sich hin. Bis mir eine Freundin bei einem Spaziergang von ihrem geplanten Yoga Retreat in Italien erzählte. Und ohne lang zu zögern beschloss ich, mitzukommen. Eine Woche Natur und auf andere Gedanken kommen war genau das, was ich gerade brauchte. 

Doch bereits kurz nach der Buchung regten sich bei mir die ersten Zweifel. Ich mag Yoga, praktiziere es seit etwa über einem Jahr mehr oder weniger regelmäßig. Aber ich würde mich niemals als „Yogi“ bezeichnen und steige komplett aus, sobald es mir zu esoterisch wird. War eine Woche intensives Abschalten mit täglichen Yoga Sessions wirklich das Richtige für mein zappeliges, rastloses Ich?

Von Hamburg aus ging es mit dem Flugzeug Mitte August nach Neapel. Von dort aus brachte uns ein Bus in nur ca. 1 Stunde bis in den kleinen Ort Sorrento, der hoch auf den Klippen an der Küste liegt. Und bereits auf der Busfahrt konnten wir die Schönheit der Gegend bestaunen. Vorbei am Vesuv führte unser Weg über kleine Dörfchen die zerklüftete Steilküste entlang und bot spektakuläre Ausblicke auf den Golf von Neapel. In Sorrento angekommen holte uns der Shuttle der Unterkunft ab und nur kurze 10 Minuten später tauchten wir in eine andere Welt ein.

Das Relais Regina Giovanna liegt mitten in einem wunderschönen Oliven- und Zitronenhain mit Blick aufs Meer direkt an der Küste. Das riesige, von zahlreichen Wegen durchzogene Anwesen war früher ein Bauernhof und auch heute erinnert noch viel an den Ursprung des Landhotels: in den Obst-, Gemüse- und Kräutergärten werden die Lebensmittel noch selbst angebaut und neben Hund und Katze bewohne zwei Esel und ein Kalb das wunderschöne Areal.

Kaum hatten wir unsere Zimmer bezogen fand noch am Abend die erste Aktivität statt. Beim so genannten „Opening Circle“ lernte wir die anderen Teilnehmer kennen. Und zu meinem Erschrecken musste ich feststellen, dass ausnahmslos alle über langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation verfügten und schon mehrfach an einem Yoga Retreat teilgenommen hatten. Ich war also ganz klar der „Newbie“ in unserer Truppe. Leicht nervös ging ich an diesem Abend ins Bett… würde ich mit so viel geballter Yogi-Power mithalten können oder bereits nach wenigen Tagen die Flinte ins Korn werfen?

Am nächsten Tag klingelte der Wecker bereits um 6.30 Uhr in der Früh zur morgendlichen Yoga Session. Und obwohl ich mich am liebsten direkt wieder umgedreht und weitergeschlafen hätte hieß es: raus aus dem Bett, rein in die Leggins und ab auf die Matte!

Noch etwas schlaftrunken machten wir uns auf den Weg zu unserem Yoga-Raum, der sich nur wenige Meter vom Haupthaus entfernt in einem gemütlichen Holzgebäude mit Blick in den Olivenhain befand. Ein knisterndes Feuer im Ofen begrüßte uns beim Eintreten. Jede Yoga-Stunde begann zunächst mit einer 30-minütigen Meditation. Und obwohl das Meditieren für mich zu Beginn noch etwas gewöhnungsbedürftig war und meine Gedanken immer und immer wieder abschweiften, fand ich sehr schnell Gefallen an der morgendlichen Achtsamkeitsübung. Sogar so sehr, dass das Meditieren auch nach dem Yoga Retreat zu einem festen Bestandteil in meinem Alltag werden sollte.

Nach der Meditation starteten wir mit den Yoga-Übungen und obwohl ich ordentlich ins Schwitzen kam meisterte ich die Stunde ohne größere Probleme. Feuertaufe bestand, yeah! 🙂 Jegliche Bedenken, nicht mithalten zu können lösten sich bei mir in Luft auf und ich konnte alle weiteren Sessions in vollem Umfang genießen (nicht immer ohne schmerzenden Muskelkater, aber der gehört zu einer intensiven Yoga-Woche nun einmal dazu).

Nach der morgendlichen Yoga Session gab es ein reichhaltiges Frühstück, natürlich alles vegetarisch und mit frischen Produkten vom Hof. Bis zur zweiten Yoga-Stunde am späten Nachmittag hatten wir die Zeit dann zur freien Verfügung. Leider hatte ein starker Sturm den hauseigenen Strand vor unserer Ankunft ordentlich verwüstet, sodass dieser nicht wirklich nutzbar war. Einen Großteil der Zeit verbrachte ich daher mit der Erkundung der vielen, kleinen Wege des Anwesens.

Der Götterwanderweg

Nachdem wir uns die ersten drei Tage voll auf unser Yoga-Programm konzentriert hatten juckte es mich in den Füßen. Ich musste endlich etwas von der Gegend sehen. Der Götterwanderweg, oder Sentiero degli Dei, ist einer der berühmtesten Wanderwege der Gegend und führt über ca. 10 km hoch auf den Klippen an der Almalfi Küsten entlang.

Da die Busverbindung von Sorrento bis zum Startpunkt der Wanderung im kleinen Örtchen Bomerano nicht wirklich optimal war bestellten wir uns eine Taxi, das uns in ca. 40 min zum Startpunkt des Trails brachte. Von der Piazza Paolo Capassa führt ein kleiner Weg direkt zum Wanderpfad. Und bereits nach einigen hundert Metern tat sich eine unfassbar schöne Aussicht vor uns auf. Türkisblaues Meer, steil herabfallende Klippen und eine sich auftürmende Silhouette aus Bergen am Horizont. Akustisch untermalt wurde die Szenerie von Bergziegen, deren Glöckchen am Hals und Blöken uns bis zum Ziel begleiten sollten.

Nach ca. 5 km, also etwa der Hälfte der Strecke, erreichten wir das kleine Bergdorf Nocelle, das hoch oben auf den Klippen über dem Meer thront. Am Ortseingang befindet sich ein kleiner Kiosk, in dem Getränke und Snacks gekauft werden können. Nach einigen Metern führt eine Treppe zu einer kleinen Grotte herab. Hier ist es wichtig, den Schildern nach „Montepertuso Positano“ zu folgen und nicht die Treppen weiter bis nach Arienzo hinabzusteigen. Auf diesem Weg würde man zwar auch zum Endziel Positano gelangen, jedoch führt diese Strecke im Tal entlang.

Nach einem ausgiebigen italienischen Mittagessen in der „Fattoria La Tagliata“ und weiteren 2,5 km erreichten wir schließlich das kleine Dorf Montepertuso, das sehr leicht an einem Fußballplatz am Eingang des Dorfes zu erkennen ist. Auch hier bitte noch nicht ins Tal hinabsteigen sondern der Straße „Via Monsignor Vito Talamo“ noch einige hundert weiter Meter folgen. Auf Höhe der Hausnummer 10 zweigt links schließlich der Treppenabstieg nach Positano ab. Und ab jetzt heißt es „Zähne zusammenbeißen“, denn bis zum pittoresken Dörfchen Positano müssen einige hundert Stufen bezwungen werden. Unten angekommen machten wir uns auf die Suche nach der Buslinie 5070, die uns in ca. 1 Stunde Fahrtzeit von Positano zurück nach Sorrento bringen würde.

Pompeji

Heute stand Ausflug Nr. 2 auf dem Programm: Pompeji. Und ich muss gestehen, meine Erwartungen waren entsprechend niedrig. Alte, zerfallene Steine angucken mit unzähligen Touristen? In meinen Ohren klang das zunächst nicht besonders spannend.

Die im Jahr 79 n. Chr. durch einen Vulkanausbruch verschüttete Stadt Pompeji ist von Sorrento aus sehr leicht in nur 30 Minuten mit dem Zug zu erreichen. Nachdem wir uns am Eingang mit einem Audio Guide versorgt hatten stürzten wir uns in die antiken Ruinen. Und zu meiner Überraschung muss ich gestehen, dass mir Pompeji ausgesprochen gut gefallen hat! Obwohl bisher nur ein Bruchteil der verschütteten Stadt freigelegt wurde ist das Gelände unfassbar groß. Man sollte sich also unbedingt auf einige Highlights konzentrieren.

Mit Guide und Karte ausgestattet durchstreiften wir mehrere Sunden die archäologische Stätte und „besuchten“ antike Thermen, Gasstätten und Bars, Amphitheater, Tempel und sogar ein Bordell. Da die meisten Gebäude unter der Vulkanasche über die Jahre konserviert wurden konnte man sich das damalige Leben und Treiben in den unzähligen Straßen und Gängen der Stadt fast bildlich vorstellen. Solltet ihr also irgendwann einmal in der Gegend sein kann ich einen Besuch der Ruinen-Stadt wärmstens empfehlen!

Neapel

Die Tage im Retreat gingen unfassbar schnell vorbei und früher als gedacht hieß es Abschied nehmen. Doch bevor wir wieder in den Flieger nach Deutschland steigen würden nutzen wir die Zeit, um noch ein paar Tage in Neapel zu verbringen. Ich hatte vorab viel über die Stadt gelesen und wie es schien gab es vor allem zwei Meinungen: entweder die Leute schwärmten in höchsten Tönen von der süditalienischen Metropole oder sie wurde als laut, dreckig und chaotisch bezeichnet. Ich gehöre definitiv zur ersten Gruppe, denn mir hat die Stadt mit ihren heruntergekommenen, charakteristischen Fassaden und der lebhaften Atmosphäre unheimlich gut gefallen. Hier ein paar meiner Empfehlungen für euren Besuch im spannenden Neapel:

  • Magma Home: Das kleine Bed & Breakfast liegt sehr zentral in der Nähe der Altstadt, alle Sehenswürdigkeiten lassen sich von hier leicht per Fuß erreichen. Die Unterkunft ist sehr geschmackvoll und mit viel Liebe zum Detail eingerichtet und verfügt über eine schöne Dachterrasse. Absolute Empfehlung!
  • Piazza Bellini: Der kleine Platz an der Via Santa Maria di Costantinopoli ist DER Treffpunk im Herzen der Altstadt. Viele kleine Bars und Lokale befinden sich rund um den quirligen Platz, auf dem sich jeden Abend ein bunter Mix aus Menschen zusammenfindet, die in entspannter und geselliger Atmosphäre das Nachtleben Neapels genießen. Unbedingt einen Drink schnappen und sich unter die Leute mischen.
  • OVEN: der winzige Take-Away-Imbiss befindet sich in der Via San Pietro a Maiella und hat einfache, aber unfassbar leckere, vegetarische Gerichte auf der Speisekarte. Gerade einmal zwei kleine Tische befinden sich vor dem Eingang des Restaurants, von denen sich das Nachtleben Neapels bei einem kühlen Bier oder leckeren Rotwein perfekt beobachten lässt. Authentisch und lecker!
  • Fort St. Elmo: die 1329 erbaute Festung und Wahrzeichen von Neapel liegt hoch oben auf dem Stadthügel Vomero. Von hier aus hat man einen großartigen 360 Grad Blick auf die umliegende Altstadt, den Vesuv und den Golf von Neapel.
  • Pizzeria ‚Ntretella: bei einem Besuch in Neapel darf der Genuss einer echten neapolitanischen Pizza natürlich auf gar keinen Fall fehlen. Und diese gibt es in sehr guter Qualität in einer Vielzahl an Restaurants. Die Diskussion, wo es denn nun die BESTE Pizza Neapels gibt halte ich daher für überflüssig. Mir hat es immer geschmeckt! Was im kleinen Restaurant ‚Ntretella aber noch dazu kommt ist die tolle Atmosphäre. Abseits des Trubels sitzt man hier an kleinen Bistrotischen in einer ruhigen Seitenstraße mit Blick auf die bunten Fassade von Neapels Altstadt.

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