Wenn die Buschtrommel schlägt. Ranger Training in Südafrika.

Es war das absolute Highlight unserer vierwöchigen Reise durch Südafrika: eine Woche verbrachten wir fernab jeglicher Zivilisation tief im afrikanischen Busch und bekamen Einblicke in die Ausbildung eines Safari Guides.

Es war das absolute Highlight unserer vierwöchigen Reise durch Südafrika: eine Woche verbrachten wir fernab jeglicher Zivilisation tief im afrikanischen Busch und bekamen Einblicke in die Ausbildung eines Safari Guides. Gemeinsam mit 9 Gleichgesinnten aus 5 verschiedenen Ländern wollten wir hier alles über die afrikanische Wildnis, ihre Tiere und Pflanzen lernen.

Unser EcoTraining Kurs fand in Makuleke statt, einem Gebiet ganz im Norden des Krüger Nationalparks an der Grenze zu Simbabwe und Mozambique. Die Region ist für Touristen, die den Krüger Nationalpark besuchen, nicht zugänglich da die Konzession der Gemeinschaft der Makuleke gehört. Die Gegend zählt damit zu den wildesten und abgelegensten Teilen des Krüger Nationalparks. Perfekt für eine Woche Auszeit im Busch!

Das EcoTraining Camp befand sich zwischen den beiden Flüssen Limpopo und Luvuvhu, in einer Landschaft aus Akazienwäldern, märchenhaften Fieberbäumen und uralten Baobabs. Wir wohnten in sehr einfachen, aber gemütlichen Zelthütten, die jeweils über eine kleinen Holzveranda verfügten. Da das Camp von außen nicht umzäunt war konnten wir nachts die Elefanten neben unseren Hütten hören und auch das Heulen der Hyänen riss uns mehrmals aus dem Schlaf. Noch näher kommt man der Wildnis vermutlich nur wenn man unter freiem Himmel schläft.

Ein Tag in der Wildnis

Der Tag in der Wildnis begann jeden Morgen um 4.30 Uhr in der früh. Da es bis auf zwei Stunden am Tag keinen Strom im Camp gab ersetzte eine Buschtrommel das morgendliche Weckerklingeln. Noch etwas schlaftrunken kämpften wir uns aus dem Bett und zogen uns so gut es ging im mickrigen Licht der Taschenlampe an.

Nach einer kurzen Stärkung aus löslichem Kaffee und Zwieback folgte die erste Aktivität des Tages, der morgendliche Buschmarsch. Meine absolut liebste Beschäftigung! Hätte man mir vorher gesagt, dass ich freiwillig um 4.30 Uhr aufstehen würde, um mit leerem Magen 3-4 Stunden durch den Busch zu laufen hätte ich es vermutlich nicht geglaubt. Aber hier war ich! Voller Motivation und Tatendrang. Was nicht zuletzt an unseren tollen Ausbildern lag, die ihr Wissen über die afrikanische Wildnis mit sehr viel Leidenschaft an uns weitergaben. Und so wurde jeder morgendliche Walk nicht nur zu einer Lehrstunde, sondern zu einem kleinen Abenteuer. Denn zu Fuß durch die Wildnis zu gehen und ihren Bewohnern auf Augenhöhe zu begegnen ist eine ganz andere Erfahrung. Plötzlich ist man mitten drin, Teil der Natur. Und viel aufmerksamer für all die Geräusche und Bewegungen um einen herum.

Einer meiner liebsten Bush Walks fand unter dem Thema “Navigation and Orientation” statt. Gemeinsam mit unseren zwei Guides wurden wir in der Wildnis ausgesetzt und mussten ohne technische Hilfsmittel und nur mit einer Karte ausgestattet zu einem etwa 7 km entfernten Punkt navigieren. Aufschluss über die richtige Richtung gaben uns dabei nur der Stand der Sonne, die auf der Karte angedeuteten Höhenlinien der umliegenden Hügel sowie die eingezeichneten Flüsse, die jedoch zu dieser Jahreszeit trocken waren. Was diesen Buschmarsch zudem besonders machte war die Tatsache, dass wir abwechselnd die Führung der Gruppe übernehmen durften. Eine sehr ungewohnte Situation, denn normalerweise geht der Lead-Guide gemeinsam mit dem Back-Up voran, beide mit einem Gewehr ausgestattet. Plötzlich gefühlt schutzlos an der Spitze der Gruppe zu laufen, sie in die richtige Richtung zu führen und dabei gleichzeitig auf wilde Tiere zu achten, war wirklich eine Herausforderung. Und ein unvergessliches Erlebnis.

Aus den anfangs geplanten 7 km wurden am Ende circa 12 km. Was sicherlich an unseren noch ausbaufähigen Navigationskünsten lag. Aber auch an den vielen, teilweise unfreiwilligen Büffelbegegnungen, die uns des öfteren zu Umwegen zwangen. Denn die Tiere sind im dichten Gebüsch nicht immer leicht zu sehen. Und so kam es, dass wir zweimal Büffel überraschten. Eine nicht ganz ungefährliche Situation. Denn Büffel, vor allem die so genannten älteren “Dagga Boys”, sind häufig recht schlecht gelaunt und können mitunter sehr aggressiv reagieren. Vor allem wenn sie sich erschrecken oder bedroht fühlen. Ist dies der Fall gibt es in der Regel zwei Möglichkeiten, wie sich das Tier verhält: entweder es läuft davon oder es greift an. Zum Glück entschied sich der Büffel aber in beiden Fällen für “Flucht” anstatt für “Angriff”. Und so schafften wir es nach circa 5 Stunden Fußmarsch und bei mittlerweile glühender Hitze zu unserem Zielpunkt. Erschöpft, aber wahnsinnig glücklich!

Nach dem morgendlichen Walk fand gegen 10 Uhr das Frühstück statt, gefolgt von einer Stunde Unterricht im “offenen Klassenzimmer”. Jeden Tag stand ein anderes Thema auf dem Lehrplan, von Tierverhalten über Bäume und Ökologie bis in zu Reptilien. Wie viel spannender lernen doch sein kann, wenn einem der “Unterrichtsstoff” quasi jederzeit über den Weg laufen kann! 

Aufgrund der teilweise unerträglichen Hitze von über 40 Grad hatten wir die Zeit bis zum Mittagessen zur freien Verfügung, bevor es am späten Nachmittag wieder auf Safari ging. Diesmal jedoch nicht zu Fuß, sondern mit dem Geländewagen. Jeden Tag fuhren wir eine andere Strecke, immer auf der Suche nach neuen, spannenden Tierbegegnungen. Und jeden Abend endete die Safari mit einem Sundowner in einer weiteren wunderschönen Ecke des Reservats. Es gibt wirklich nichts Schöneres, als nach einem Tag voller neuer Eindrücke die Füße in den noch warmen Sand zu stecken, während nur wenige Meter entfernt Elefanten im Licht der untergehenden Sonne baden.

Im Dunkel ging es schließlich zurück ins Camp, wo jeden Abend ein reichhaltiges Abendessen und ein gemütliches Lagerfeuer auf uns warteten.

Jeder Tag unserer einwöchigen Ausbildung folgte diesem Muster, wobei kein einziger Tag dem andern glich. Denn was der Tag bringen und welche Dinge wir erleben würden hing allein davon ab, welchen Weg wir einschlagen würden. Uns so wachten wir jeden Morgen voller Vorfreude und Neugierde auf, bereit für ein neues Abenteuer.

Ein Abschied, der schwerfällt

Besonders in Erinnerung wird mir der letzte Tag unserer Ausbildung bleiben. Es war ein bedeckter Morgen und wie jeden Tag fuhren wir mit dem Geländewagen raus, um etwas entfernt vom Camp auf einen Bush Walk zu gehen. Nachdem wir bereits einige Zeit unterwegs waren machten wir auf einer wunderschönen Lichtung aus Fieberbäumen halt. Während wir schweigend die Natur und Atmoshphäre um uns herum genossen entdeckten wir plötzlich nicht weit von uns entfernt einen einzelnen Elefanten. Zunächst hielten wir ihn für einen Bullen, da männliche Tiere häufig allein unterwegs sind. Schnell wurde jedoch klar, dass es sich um eine alte Elefantendame handelte, die allein durch die Wälder zog. Eine sehr ungewöhnliche Situation, denn weibliche Tiere verbleiben ihr ganzes Leben im engen Verbund ihrer Familie. Dass die Elefantenkuh allein war, konnte also nur bedeuten, dass sie zu alt war, um weitherin ihrer Herde zu folgen. Und so entschied sie sich, zurückzubleiben und die letzten Tage ihres Lebens allein zu verbringen. Ihr für ein paar Minuten Gesellschaft leisten zu dürfen war ein ganz besonderer, aber auch sehr trauriger Moment, den ich für immer in Erinnerung behalten werde.

Da war er nun, der letzte Tag unserer einwöchigen Reise in den afrikanischen Busch. Und der Abschied fiel mir wie immer schwer. Ich hätte nie gedacht, dass mich diese kurze Zeit in der Wildnis so beeindrucken, erden und inspirieren würde. Und mich mit einer Sehnsucht zurück lassen würde, die ich bisher so auf keiner meiner Reisen gespürt habe.

“You cannot leave Africa,” Africa said. “It is always with you, there inside your head. Our rivers run in currents in the swirl of your thumbprints, our drumbeats counting out your pulse, our coastline the silhouette of your soul.” So Africa smiled a little when you left. “We are in you,” Africa said. “You have not left us, yet.”

Bridget dore

Comments (3):

  1. Martin

    6. Januar 2019 at 14:32

    Gratuliere, tolle Erfahrung! Wildlife in Africa ist ein Virus – nicht alle stecken sich an, aber die Infizierten werden es ein Leben lang nicht mehr los 😊

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    • TRAVEL CLOSE-UP

      6. Januar 2019 at 19:25

      Hallo Martin,

      vielen Dank! Und ja, ich glaube du hast absolut recht. Es ist wirklich ein Virus, aber ein verdammt guter! 🙂 Liebe Grüße

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  2. Marlis Brauner

    31. Dezember 2018 at 14:20

    Ich bin wirklich sehr beeindruckt von deinem Bericht und so kann ich deine Sehnsucht, Afrika wiederzusehen, auch nachvollziehen. Schade, dass ich das nicht mehr erleben werde, doch durch die wunderschönen Bilder und deinen Reisebericht, bekommt man einen guten Einblick. DANKE

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