Elefanten zum Frühstück. Abenteuer im Okavango Delta.

Babyelefant beim Schlammbad

Nach ersten eindrucksvollen Tagen im Chobe Nationalpark ging es für uns weiter Richtung Süden. Ziel war das Moremi Game Reserve im Okavango Delta. Beim Okavango Delta handelt es sich um das größte Flussdelta der Welt, viele Tierarten sind hier beheimatet. Große Teile des Deltas sind nur mit dem Flugzeug erreichbar und die wenigen befahrbaren Wege, die es gibt sind sehr sandig und je nach Jahreszeit auch mal überschwemmt.

Vor unserer Reise hatten wir lange überlegt, ob wir von Kasane direkt durch den Chobe Nationalpark bis ins Moremi Game Reserve fahren sollten. Eine sehr abenteuerliche, nicht ganze einfache Strecke, die nur mit einem Offroad-Fahrzeug zu bewältigen ist und mehrere Tage Zeit in Anspruch nimmt. Da wir aber zum ersten Mal in Afrika unterwegs waren und das Offroad-Fahren komplettes Neuland für uns war, entschieden wir uns lieber für die asphaltierte Straße über Nata. Trotz der weniger spektakulären Landschaft musste wir aber auch hier nicht auf Tiersichtungen verzichten. Denn obwohl auf dieser Strecke 120 km/h erlaubt sind, kreuzten Elefanten, Giraffen und Strauße in regelmäßigen Abständen die Fahrbahn.

Nach lange 600 km erreichten wir am Abend unser Camp in Maun. Das Audi Camp liegt etwas außerhalb der Stadt, dafür aber bereits auf halbem Weg ins Moremi Game Reserve. Das Camp selbst ist wenig spektakulär, verfügt aber über alles, was man für eine Nacht auf der Durchreise benötigt.

Am nächsten Morgen ging es schließlich los Richtung Okavango Delta. Da in Botswana viele Camps häufig bereits ein Jahr im Voraus ausgebucht sind und wir mit der Planung unseres Urlaubs recht spät dran waren, bekamen wir leider keinen der begehrten Übernachtungsplätze im Nationalpark mehr. Stattdessen steuerten wir die Kaziikini Community Campsite an, die ca. 45 min vom Süd-Eingang des Moremi Game Reserve entfernt mitten in der Wildnis liegt. Das Camp verfügt über ein eigenes Konzessionsgebiet, das direkt ans Reservat grenzt. Da es in Botswana keine Zäune gibt, die den Weg der Tiere begrenzen standen die Chancen auf Tiersichtungen hier aber genau so gut wie im Park selbst. Wovon wir uns auch gleich in der ersten Nacht überzeugen konnten…

Das Camp, ein Community Projekt, wird in kompletter Eigenregie von den Bewohnern eines nahe gelegenen Dorfes betrieben. Wir wurden sehr herzlich empfangen und stellten zu unserer Überraschung fest, dass wir fast die einzigen Gäste waren. Umso besser!

Bevor am nächsten Morgen unsere Selbstfahrer-Safari ins Moremi Game Reserve starten sollte, nutzen wir den Rest des Tages, um uns an die nicht ganz einfachen Fahrgegebenheiten zu gewöhnen. Und so unternahmen wir am Nachmittag eine dreistündige Safari durch das Konzessionsgebiet des Camps, auf der wir von einem Dorfbewohner begleitet wurden. Allerdings war dieser lediglich für die Tiersichtungen und -erklärungen verantwortlich, fahren mussten wir selber. Und wir merkten sehr schnell, dass die “Wege” hier noch einmal eine ganz andere Herausforderung waren. Sand, Schlaglöcher, enge Kurven und eigenartige, hühnerartige Vögel, die uns ständig vors Auto liefen. Und es zu unserem Leidwesen vorzogen, lieber minutenlang vor unseren Reifen herzuwatscheln, als einfach nach links oder rechts auszuweichen.

Zurück in der Unterkunft verabschiedete sich unserer Guide von uns. Denn zusammen mit den übrigen Angestellten verlässt er jeden Abend das Camp, um die Nacht bei seiner Familie im Dorf zu verbringen. Da waren wir nun. Allein mitten in der Wildnis. Aber wenn wir mal ehrlich sind, sind wir nicht genau aus diesem Grund hierher gekommen?

Mit Einbuch der Dunkelheit waren wir uns da nicht mehr so sicher. Denn während wir uns am Lagerfeuer auf unserem Stellplatz noch einigermaßen sicher fühlten, wurde der Weg vom Zelt zu den ca. 100 m entfernten Toiletten zum Spießrutenlauf. Ungewohnte Geräusche, kein Licht bis auf das mickrige Leuchten unserer Taschenlampe und die Gewissheit, dass hinter jedem Busch etwas lauern konnte. Und dass Löwen in der Gegend sind hatten uns die Angestellten im Camp am Morgen erzählt. Wir versuchten daher unsere Toilettengänge möglichst noch im Hellen zu erledigen, was bei einem Sonnenuntergang um 18.30 Uhr aber nicht immer so ganz einfach ist.

Nach dem Abendessen erklommen wir unser Dachzelt und schliefen zufrieden ein. Für mich gibt es wirklich keine schönere Art des Reisen. In der Natur einzuschlafen, inmitten all der ungewohnten und aufregenden Geräusche ist wirklich ein Erlebnis für sich. Und es sollte in dieser Nacht noch spannender werden….

Denn mitten in der Nacht wurden wir plötzlich von einem lauten, metallischen Lärm wach. Für mich klang es zunächst so, als würden sich Vögel oder Affen an unserem Mülleimer zu schaffen machen. Nichts Beunruhigendes also, und ich schlief weiter. Nur, um kurze Zeit später erneut wach zu werden. Denn wir waren definitiv nicht alleine auf unserem Zeltplatz. Um uns herum knackten und brachen Äste, und es klang, als würde sich etwas Großes seinen Weg durch den Busch bahnen. Und schließlich hörten wir ein tiefes Brummen direkt neben unserem Zelt. Aufgrund der Dunkelheit war es aber schier unmöglich, etwas zu sehen. Und uns blieb nichts anderes übrig, als wieder einzuschlafen. Im Nachhinein kann ich mir nicht mehr erklären, wie uns das in dieser Nacht gelungen ist. Ich vermute aber, dass die Malaria Tabletten, die wir jeden Abend zu uns nahmen, eine nicht ganz unwesentliche Rolle gespielt haben…wie waren einfach “total relaaaaaxed”.

Mit Einbruch der Dämmerung am nächsten Morgen wurde uns dann endlich klar, was sich heute Nacht abgespielt hatte. Denn unsere Besucher waren noch immer (oder schon wieder) da!

Mitten auf unserem Zeltplatz stand eine Gruppe Elefanten und fraß genüsslich die Blätter der umliegenden Bäumen. Und der metallische Lärm, den wir in der Nacht gehört hatten, hatte nichts mit unserem Mülleimer zu tun, sondern mit unseren Campingstühlen. Diese lagen umgeschmissen neben unserem Auto. Scheinbar haben die Elefanten im Dunkeln ähnlich schlecht gesehen wie wir… Was für ein aufregender, wunderschöner und unvergesslicher Morgen!

Kaum hatten sich die Elefanten verabschiedet folgte auch schon Überraschung Nr. 2. Allerdings war diese weniger erfreulich als der morgendliche Besuch: wir hatten einen Platten. Oh man! Jetzt hatten wir es so weit ohne kaputten Reifen geschafft. Aber es half ja nichts. Und schließlich waren wir vorbereitet. Vor unserer Abreise hatten wir nicht nur diverse YouTube-Tutorials zum Thema Reifenwechsel angeschaut sondern auch eine Schritt-für-Schritt Anleitung ausgedruckt, mit der wir nun optimistisch zur Tat schritten. Kann ja nicht so schwer sein, oder? Leider doch. Denn wir scheiterten bereits am Lösen der Schrauben. So fest wir auch zogen, es bewegte sich nichts. Da half auch keine Anleitung. Wir brauchten Hilfe. Und wie es das Schicksal wollte, kamen genau in diesem Moment drei junge Dorfbewohner durchs Camp und eilten zu unserer Rettung. Und halfen uns nicht nur die störrischen Schrauben zu lösen, sondern wechselten gleich den ganzen Reifen. And dieser Stelle noch einmal vielen lieben Dank!

Wieder fahrbereit machten wir uns endlich auf ins Moremi Game Reserve. Und verbrachten die nächsten zwei Tage mit der Erkundung des Parks. Und obwohl wir hier keine weiteren Großkatzen erspähten, gefiel mir das Moremi Game Reserve noch etwas besser als der Chobe Nationalpark. Auf kleinen, kaum noch erkennbaren Wegen fuhren wir durch das Reservat und trafen dabei nur sehr selten auf andere Autos. Stattdessen kreuzten immer wieder Elefanten und andere Wildtieren unseren Weg. Wir waren wirklich mitten in der Wildnis!

Ein wirklich schöner und beeindruckender Abschluss unserer dreiwöchigen Reise durch Namibia und Botswana. Jetzt stand uns nur noch eine sehr lange Rückreise zurück nach Windhoek bevor, wo wir unser Auto abgeben mussten. 810 km quer durch die Kalahari galt es es zu bewältigen und wir planten für diese Strecke zwei Tage ein. Unsere letzte Nacht im Dachzelt verbrachten wir kurz vor Windhoek in der wunderschönen Ondekaremba Lodge.

Wie immer fällt mir der Abschied unheimlich schwer. Wir hatten unvergessliche drei Wochen, in denen wir so viel gesehen und erlebt haben, dass es eigentlich für zwei Urlaube reicht. Ganz besonders vermissen werde ich das Einschlafen im Zelt mitten in der Wildnis mit all ihren Geräuschen, das Offroad-Fahren, die ungewollten Aug-in-Aug-Begegnungen mit einigen Elefanten, die uns im jeweiligen Moment zwar das Blut in den Adern gefrieren ließen, im Nachhinein aber absolut unvergesslich waren, das Licht am Abend, das in Afrika so ganz anders und besonders ist, die unfassbare Weite der Landschaft und natürlich den Sternenhimmel, der nicht einmal in Neuseeland so beeindruckend war.

Auf Wiedersehen Afrika. Bis hoffentlich ganz, ganz bald!

Comments (1):

  1. Marlis Brauner

    17. Oktober 2018 at 20:06

    Ich bin ganz begeistert von dem Reisebericht und auch von den Fotos und dem Video und freue mich auf die nächsten Berichte.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.