Von Löwen, Leoparden & Elefanten. Auf Safari im Chobe Nationalpark.

Der Chobe Nationalpark im Norden Botswanas zählt zu den tierreichsten Regionen Afrikas und ist besonders für seine riesigen Elefantenherden bekannt. Nirgendwo in der Welt findet man eine größere Konzentration der grauen Riesen. Natürlich mussten wir hierher!
Löwen Weibchen

Vom Caprivi-Streifen in Namibia ging es in Ngoma über die Grenze nach Botswana. Trotz diverser Ein- und Ausreiseformulare, die es auszufüllen galt, ging der Grenzübertritt überraschend schnell und unkompliziert über die Bühne. Etwas bedauerlich war nur der Verlust einiger Lebensmittel, das wir aufgrund der grassierenden Maul- und Klauenseuche nicht mit über die Grenze nehmen durften. Nachdem wir das “gefährliche Gut” entsorgt hatten fuhren wir auf direktem Weg ins  Senyati Safari Camp, das für die nächsten 3 Nächte unser zu Hause sein sollte. Auf dem Weg dorthin bekamen wir bereits einen kleinen Vorgeschmack auf die “Straßen”-Verhältnisse der nächsten Tage. Das Camp war nur über einen sehr sandigen, steilen und meist einspurigen Weg zu erreichen. Also hieß es mal wieder: rein mit dem Allradantrieb und hoffen, dass uns kein Auto entgegen kommt. Was zum Glück auch nicht passierte.

Das Senyati Safari Camp, einer der schönsten Campingplätze unseres Trips, liegt nicht direkt im Chobe Nationalpark, sondern ca. 20 Minuten von Kasane entfernt. Die etwas längere Anfahrt in den Park wurde aber durch das campeigene Wasserloch und die vielen Besucher am Abend mehr als wett gemacht. Jeden Tag trafen wir unzählige Elefantenfamilien, die mit Einbruch der Dunkelheit zum Trinken und Baden vorbeischauten.

Das Spektakel konnten wir dabei nicht nur von der am Wasserloch gelegenen Terrasse, sondern auch durch einen unterirdischen Bunker beobachten. Dieser endete direkt am Wasserloch und hier kamen wir den Dickhäutern wirklich hautnah. So nah, dass wir aufgrund eines Gerangels beim Trinken sogar unfreiwillig nass gespritzt wurden. Die Dusche nahmen wir aber gerne in Kauf!

Der erste Tag unserer Selbstfahrer-Safari durch den Chobe Nationalpark begann mit Regen. Allerdings waren wir darüber nicht besonders unglücklich. Denn im Gegensatz zu den Parks in Namibia, die vor allem aus Geröllstraßen bestehen, ist der Chobe Nationalpark deutlich unberührter. Keine Ausschilderung, keine Karten, dafür tiefe Schlaglöcher und ganz viel Sand. Also all das, worüber wir uns vor unserer Abreise die größten Sorgen gemacht haben. Dank des Regens in der Nacht war der Sand aber sehr kompakt und wir konnten uns langsam an die neuen Fahrgegebenheiten gewöhnen. Wir konzentrierten uns auf den Teil des Parks, der direkt am Fluss liegt. Denn hierher kommen die Tiere häufig zum Trinken oder Baden. Scheinbar war heute aber kein Badetag denn bis auf ein paar Nilpferde tummelte sich nichts im oder am Wasser. Allerdings wurden wir auf 2 Jeeps aufmerksam, die am Rand standen und warteten. Häufig ein Zeichen dafür, dass im wahrsten Sinne des Wortes “etwas im Busch” ist. Und wir erfuhren, dass ein Leoparden-Weibchen vor kurzem eine Gazelle erlegt und zu ihren Jungtieren in den Busch gezogen hatte. Leider waren wir aber zu spät dran, denn mittlerweile hatte die Leopardin den Tatort schon wieder verlassen und auch von ihren Jungen war im dichten Gebüsch nichts zu sehen. Etwas enttäuscht fuhren wir weiter. Manchmal hat man eben kein Glück…

…oder vielleicht doch? Am Abend trafen wir das Pärchen aus dem Jeep zufällig in unserem Camp wieder. Und sie erzählten uns, dass Leoparden häufig mehrere Tage an ihrer Beute fressen. Die Chance, die Leoparden-Familie am nächsten Tag an der gleichen Stelle zu sehen stand also nicht schlecht. Aber, wo zum Teufel war denn noch mal “die Stelle”? Wir hatten die GPS-Koordinaten vor Ort natürlich nicht gespeichert…das nennt man wohl Safari-Anfängerfehler. Glücklicherweise half aber auch hier das nette Pärchen weiter und ruck zuck war die “Nummer zum Glück” in unserem Navi.

Den Abend verbrachten wir wieder am Wasserloch. Und während der Rest des Camps schon schlief beobachteten wir wieder unzählige Elefanten, wie sie nur ca. 20 m von uns entfernt badeten und tranken. Eine absolut unwirkliche Kulisse, denn wie in den meisten Camps in Botswana gab es auch hier kein Zäune. Da die Elefanten aber immer schnurstracks Kurs aufs Wasserloch nahmen und kein wirkliches Interesse an uns zeigten, konnten wir uns trotz der nicht vorhandenen Absperrung immer sehr gut entspannen. Das änderte sich heute Abend aber schlagartig. Denn ohne Vorwarnung ließ einer der Elefanten das Wasserloch plötzlich links liegen und kam geradewegs auf uns zu gerannt. Uns stockte der Atem und unser Puls war auf 180! Aber: niemals wegrennen. Und so blieb uns nichts anderes übrig, als wie versteinert auf unseren Stühlen zu sitzen. Ca. 2 m von uns entfernt blieb der Elefant schließlich stehen und fing genüsslich an, das Gras vor unseren Stühlen zu fressen. Die Sekunden kamen uns wie eine Ewigkeit vor und ich bin mir sicher, dass ich mich weder bewegte noch atmete. Irgendwann drehte der Bulle dann wieder ab und lief zurück zum Wasserloch. Nie zuvor bin ich einem wilden Elefanten so nah gekommen, ein wirklich unvergessliches Erlebnis!

An Tag 2 klingelte der Wecker bereits um 5 Uhr in der früh, schließlich hatten wir ein “Date” mit einem Leoparden. So zumindest unsere Hoffnung. Den GPS-Koordinaten folgend machten wir uns schlaftrunken auf den Weg in den Park. Und tatsächlich sollten wir heute mehr Glück haben. Kaum hatten wir unser Ziel erreicht sahen wir die Leopardin plötzlich am Ufer des Flusses und kurze Zeit später ließ sich auch eins der Jungtiere blicken. Die nächste Stunde verbrachten wir mit dem Beobachten dieser wunderschönen Tiere, während wir im Auto noch schnell das ausgefallene Frühstück am morgen nachholten. Cornflakes with a view!

Gestärkt und glücklich ging es schließlich weiter Richtung Fluss. Heute war das Wetter deutlich besser, dafür die Wege aber auch um einiges sandiger. Weit mussten wir allerdings nicht fahren, denn plötzlich stolzierte ein Löwe mit seinen 2 Weibchen aus dem Busch und machte es sich direkt neben unserem Auto im Schatten gemütlich. Heute war wirklich unser Tag! Denn neben Leopard und Löwe sahen wir auch wieder zahlreiche Elefanten, Krokodile, Büffel und Nilpferde.

Den Abend verbrachten wir natürlich wieder am Wasserloch. Und ums uns den Abschied besonders schwer zu machen kamen heute nicht nur wieder unzählige Elefanten vorbei, sondern auch eine riesige Büffelherde, die aus mehreren hunderten Tieren bestand. Ein unglaublicher Anblick!

Die ersten Tage in Botswana haben uns wirklich schwer beeindruckt. Mal schauen, was das nächstes Ziel für uns bereit hält. Auf Richtung Süden ins Okavango Delta!

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